Martin ist einer unserer Data Scientisten und arbeitet im WDL an vielen Projekten im medizinischen Umfeld mit. Im Interview erzählt er genauer, was es damit auf sich hat und erklärt, welchen Vorteil der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin im Behandlungsalltag der Ärzte bietet.

Kommen wir gleich auf den Punkt: Wer ist Martin? Was sollten wir und die Menschen außerhalb des WDLs über dich wissen?

Ich verkaufe und fühle mich gerne als Berliner, aber eigentlich ist meine Heimat ein idyllisches Brandenburger Dorf ganz ohne Großstadtflair. Später habe ich in Sachsen studiert und gearbeitet, um dann dank des WDLs den Weg nach Münster zu finden. Den größeren Teil meines Lebens spiele ich Basketball und würde am liebsten jeden Tag auf dem Freiplatz verbringen. Leider liegen die Spielzeiten nicht so günstig, aber um ein gutes NBA-Spiel zu schauen, stehe ich trotzdem auch gerne mal in der Nacht auf. Ansonsten reise ich gerne und entdecke dabei neue Länder.

Du bist hier im Bereich Data Activation & Innovation als Data Scientist eingestellt. Kannst du uns ein bisschen genauer erzählen, wie so ein typischer Arbeitstag bei dir aussieht? 

Der Tag beginnt normalerweise mit einem guten Kaffee oder einer Mate. Da wir oft neue Themen mit vielen Unbekannten bearbeiten, stimmen wir uns regelmäßig im Team und mit dem Kunden ab. Ansonsten variiert es stark, ob wir gerade zum Beispiel mehr am inhaltlichen Verständnis, der Entwicklung unserer Pipelines und Modelle oder der Aufbereitung unserer Ergebnisse arbeiten.

Was war bisher die spannendste Aufgabe, die du im WDL hattest?

Es waren viele spannende Aufgaben dabei und ich möchte die Abwechslung nicht missen, aber am spannendsten ist sicherlich die Arbeit am deepeye Projekt. Hier haben wir in einem tollen Team gemeinsam mit dem Münsteraner Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital einen Algorithmus zur Erkennung einer der am weitesten verbreiteten Augenkrankheiten entwickelt, der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Da mussten wir inhaltlich schon sehr tief ins Thema einsteigen, wissen aber gleichzeitig auch, dass unsere Arbeit in Zukunft das Leben vieler Menschen verbessern könnte.

Du arbeitest beim WDL an vielen Projekten im medizinischen Umfeld mit. Da wollen wir nochmal genauer nachhaken: Was genau macht das WDL da? Und vor allem was ist das Spannende für dich daran?

Unser Fokus liegt zurzeit vor allem auf den bildgebenden Verfahren: Die Aufnahmen bei Röntgen, Ultraschall oder Augen-OCT sind ein wahrer Datenschatz. Diese werden im klinischen Alltag meist einzeln oder in Serie für einen Patienten betrachtet, da die Aufnahmefähigkeit und Zeit des Menschen begrenzt ist. Wir kombinieren tausender solcher Bilder mit den zugehörigen Diagnosen und Behandlungsverläufen, um hiermit unsere Modelle zu trainieren. Diese können dann je nach Anwendungsfall eine Diagnose vorhersagen, den weiteren Behandlungsverlauf abschätzen oder bestimmte Strukturen im Bild erkennen.

Wo siehst du die größten Chancen vom Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin?

In typischem Start-up-Sprech: KI in der Medizin skaliert. Die medizinische Versorgung hängt heutzutage noch sehr stark von der knappen Zeit und Verfügbarkeit von Ärzten ab. Weltweit gibt es einen Mangel an Ärzten und medizinischer Grundversorgung bei gleichzeitig alternder Bevölkerung. Einmal mit der Erfahrung von Tausenden Ärzten und Behandlungsverläufen trainiert, kann eine KI-Lösung in kurzer Zeit Tausende Entscheidungen treffen. Dadurch können viele Patienten besser untersucht werden und Ärzten bleibt mehr Zeit für die schwierigen Fälle.

Was können KI-Algorithmen aktuell wirklich schon leisten?

Wie auch Menschen sind die Algorithmen niemals perfekt. Sie müssen genau geprüft werden und sollten erst mal nur als Entscheidungsunterstützung gesehen werden. Trotzdem ist das Potenzial jetzt schon riesig: Sie können beispielsweise für einen Arzt aus Hunderten Schichten einer 3D-Aufnahme die entscheidende raussuchen oder in Tausenden Datenbankeinträgen eine Gruppe an Patienten mit ähnlichen Symptomen identifizieren. Aufgaben, die für Ärzte in ihrem Alltag kaum manuell zu schaffen sind.

Hast du vorher schon in einem Start-up gearbeitet? War das von Anfang an dein Ziel?

Nein, vorher war ich wie viele meiner Kommilitonen bei etablierten Unternehmen. Die Motivation war aber schon immer da, vor allem durch meinen Bruder, der schon lange selbst in der Berliner Start-up Szene unterwegs ist und mich schon früh mit dem Fieber angesteckt hat. Seitdem hat mich der Gedanke eines solch dynamischen Umfelds gereizt: Ein Umfeld, in dem man am besten seine verschiedenen Talente einbringen und ein Unternehmen mitgestalten kann.

Du bist jetzt schon anderthalb Jahre mit dabei. Wie gefällt es dir bis jetzt? Irgendwelche Dinge, die du besonders erwähnenswert findest?

Die Arbeit ist inhaltlich spannend, man lernt nie aus und gewinnt immer wieder neue Einblicke. Aber wie meistens ist die Erfahrung in einem guten Team wie hier beim WDL zu arbeiten, am wichtigsten. Unsere Zusammenarbeit hat remote schon immer gut geklappt, aber ich hoffe, die Kollegen bald auch wieder beim Feierabendbierchen oder auf dem Beachvolleyballfeld sehen zu können.

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