Die Gartner Inc. ist der wohl bekannteste Anbieter von Marktforschungsergebnissen und Analysen zu den Entwicklungen in der IT weltweit. Deshalb wird jährlich mit Spannung auf den Report zu den Top Strategic Technology Trends für das nächste Jahr gewartet. Diesen hat Gartner nun veröffentlicht und seine Top Trends für das Jahr 2022 verraten. In unserer Interviewreihe mit Kai Kauffmann werfen wir einen Blick auf die Trends und beleuchten, was es mit ihnen auf sich hat und wie Unternehmen sie implementieren und nutzen können. Heute starten wir mit dem Thema generative KI.

Hallo Kai, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst!
Heute soll es um generative KI gehen. Hört sich gut an, aber was genau ist das?

Fangen wir zunächst mit dem darin enthaltenen Begriff „Künstliche Intelligenz“ an:
KI als solches beschreibt das Erbringen menschlicher Intelligenzleistung durch Maschinen. Klingt ein wenig abstrakt, heißt aber in den meisten Fällen einfach nur, dass eine Maschine eine Fähigkeit beherrscht, die ansonsten von Menschen erbracht wird.

Ein heute bereits weit verbreiteter Einsatzzweck von KI ist beispielsweise die automatische Erkennung von Objekten und deren Klassifizierung. Hierbei lernt die KI, auf Basis von Trainingsdaten, neue Inputdaten einer bestimmten – meist vorher definierten Klasse – zuzuordnen.

Neben der Erkennung von bereits bestehenden Objekten kann mit generativer KI nun ein weiterer Schritt getan werden: die Erzeugung neuer synthetischer Objekte, die den gelernten Eigenschaften der Originalen entsprechen und damit plausibel sind.

Ein plakatives Beispiel – welches im Herbst 2021 größere Schlagzeilen verursachte – zeigt, was hier bereits möglich ist: die bis dato unvollendete 10. Sinfonie von Beethoven wurde durch eine KI sowie Musikexperten zu Ende geschrieben.

Künstliche Intelligenz ist nun also in der Lage Kreativleistungen nicht nur Daten auszuwerten, sondern auch Kreativleistungen zu erbringen.
Welchen Mehrwert verspricht generative KI dadurch für Unternehmen?

Künstliche Intelligenz ist immer dann gefragt, wenn es darum geht große Datenmengen möglichst schnell und fehlerfrei zu verarbeiten, zu analysieren und auszuwerten. Generative KI entfaltet ihren zentralen Mehrwert bei der vielseitigen Unterstützung von Mitarbeitern. Diese können zeitintensive analytische Vorgänge übernehmen. Die KI bewältigt solche Aufgaben in einer Geschwindigkeit, die die des Menschen um ein Vielfaches übersteigt. So wird die Effizienz in doppeltem Sinne gesteigert: Analytische Aufgaben werden schneller erledigt als zuvor und gleichzeitig hat der Mitarbeiter nun mehr Zeit für die Aufgaben, die eine KI eben noch nicht übernehmen kann.

Der zweite große Mehrwert von KI ist das enorme Potenzial Kosten einzusparen. Dabei wird es gerade durch generative KI möglich Kosten da einzusparen, wo es früher undenkbar war. Als gutes Beispiel für die Möglichkeiten und die Leistungsfähigkeit von generativer KI werfen wir einen Blick in die Welt der Mode: für Produktpräsentationen sind in dieser Branche Models unabdingbar. Zumindest, wenn man nicht auf generative KI setzt. Diese ist in der Lage auf Basis vorangegangener Kampagnen künstlich generierte Models zu erstellen. So kann ein enormer, meist fest eingeplanter Kostenblock plötzlich minimiert werden.

Auch in der Kreativbranche zeigen sich die Fähigkeiten generativer KI zunehmend. Das wohl bekannteste Beispiel ist hier generative KI, die Marketingabteilungen beim Texten unterstützt. Dabei geht die Bandbreite von klassischen Produktbeschreibungen bis hin zu höchst individuellen Social-Media-Texten oder ganzen Blogbeiträgen und vielem mehr. Die Kreativität und Vielseitigkeit solcher Tools kann heute bei einigen Aufgaben mindestens genauso gut sein wie die des Menschen, braucht jedoch keine kreativen Pausen und leidet nicht unter kreativen Schaffenskrisen.

Von Start-up bis Konzern – für wen eignet sich generative KI?

Die Auseinandersetzung und die Implementierung von KI-Lösungen erfordert natürlich immer ein gewisses Investment. Dieses ist jedoch geringer, als viele denken. Besonders, wenn man die Investitionen dem direkten Mehrwert gegenüberstellt. Ich sehe keine Beschränkungen zur Eignung von generativer KI hinsichtlich Unternehmensgröße.

Besonders spannend ist natürlich immer die Frage, für welche Branchen sich generative KI besonders eignet und wie explizite Use Cases aussehen. Einen ersten haben wir bereits angesprochen. Generative KI übernimmt das Erstellen von Marketingtexten und findet so Anwendung in der Kreativbranche, in Agenturen & Marketingabteilungen weltweit. Erweitert man diesen Bereich noch um den Kundenservice, zeigt sich der nächste Use Case. So kann generative KI automatische Antworten auf eingehende Kundenanfragen geben. Hierbei geht die generative KI dabei weit über den Funktionsumfang eines klassischen Chatbots hinaus. Eine Branche, die generative KI ebenfalls schon intensiv nutzt ist die Filmbranche. Hier gelingt es generativer KI beispielsweise das Upscaling von alten Filmen. So können diese auf den gängigen Qualitätsstandard neuer Fernseher gehoben werden und weisen dann eine 4K-Auflösung auf. Ebenso wird generative KI genutzt, um historisches Videomaterial in schwarz-weiß nachträglich zu kolorieren.

Den wohl gesellschaftlich wertvollsten Nutzen findet generative KI in der Biochemie und der medizinischen Branche. So hilft sie in der Biochemie und Pharmazeutik dabei neue Zusammenstellungen für Medikamente zu generieren und gleichzeitig die Auswirkung ihres Einsatzes zu simulieren. So wird es möglich dringend benötigte Medikamente schnell und effizient zu entwickeln. Doch auch weitere Teile der Medizin können von generativer KI profitieren. So wird sie in der plastischen Chirurgie dazu eingesetzt, um die Alterung von Körper und Gesicht zu simulieren. So ergeben sich für die plastische Chirurgie neue Möglichkeiten, Kunden zukunftssicher zu beraten und auf Operationen vorzubereiten. Zuletzt lässt sich noch die Branche nennen, aus der Künstliche Intelligenz hervorgegangen ist. Die IT-Branche profitiert durch die Fähigkeit von generativer KI, Source Code in den Entwicklungsebenen von Programmierern zu generieren.

Was braucht es, um generative KI nutzen zu können?

Die zugrundeliegenden Algorithmen und Modelle sind zwar spezielle, die Anforderungen hingegen, um mit generativer KI zu beginnen unterscheiden sich gar nicht so sehr von jenen, um andere Formen von KI zu nutzen. Es braucht zu Beginn eine klare Vision und Strategie sowie mindestens einen konkreten Anwendungsfall, welcher angegangen werden soll. Eine weitere ebenso wichtige Voraussetzung ist die Verfügbarkeit und Qualität entsprechend großer Datenmengen, aus denen die KI lernen kann, was die zu generierenden Objekte ausmacht.

Die KI ersetzt hierbei aktuell die menschliche Kreativleistung nicht vollständig, sie ist eher zur Unterstützung gedacht. Es bedarf daher weiterhin menschliches Fachwissen, um die Ergebnisse und Vorschläge der KI zu überprüfen. Nicht zu vernachlässigen ist auch der ethische Aspekt, denn generative KI ließe sich auch einsetzen, um betrügerische und böswillige Aktivitäten durchzuführen.

Vielen Dank für deinen ausführlichen Input zum Thema generative KI. Im nächsten Teil unserer Interviewreihe geht es dann um das Stichwort Data Fabric.

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Hier geht’s zum Report zu den Top Technology Trends 2022 von Gartner.

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